Lesetipp Oktober 2026
Leon Engler: Die Botanik des Wahnsinns
„Die Botanik des Wahnsinns“ von Leon Engler ist eine ebenso kluge wie berührende Spurensuche in einer Familiengeschichte, die über Generationen von psychischen Erkrankungen, Sucht und Krisen geprägt ist. Als nach der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter selbst die letzten Erinnerungsstücke verloren gehen, versucht der Erzähler zu verstehen, welche Spuren seine Herkunft in ihm hinterlassen hat. Seine Suche führt ihn von der Kindheit in München über New York bis nach Wien, wo er als Psychologe Menschen in einer psychiatrischen Klinik begleitet. Dabei stellt er sich immer wieder die Frage, wie viel unserer Persönlichkeit durch familiäre Prägungen bestimmt wird – und was wir selbst verändern können.
Engler verbindet persönliche Erinnerungen mit psychologischen Überlegungen und Ausflügen in die Geschichte der Psychiatrie. Sein Stil ist geistreich, selbstironisch und zugleich von großer Zärtlichkeit gegenüber den Menschen, deren Leben er beschreibt. Dabei wird deutlich: Ein Mensch ist immer mehr als seine Diagnose.
Ein ungewöhnlicher, nachdenklicher Roman für alle, die sich für Psychologie, Familiengeschichten und die Frage interessieren, was eigentlich als normal gilt.
DuMont Verlag 2026, 208 S.
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